Praxismanagement
18.05.2024

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Konzept eines ganzheitlichen Klinikmanagements

Der folgende Artikel gibt einige Anregungen, wie die √§rztliche Arbeit im Krankenhaus professioneller organisiert werden kann. Ganzheitliche, psychosomatisch orientierte Arbeitsweise und Effizienzkontrolle geh√∂ren in Zukunft unabdingbar zusammen. Dazu geh√∂rt insbesondere die Einf√ľhrung eines dem Allgemeinarzt in der Praxis √§hnlichen Generalisten prim√§ren Ansprechpartner jeder station√§ren Patienten.

W√§hrend nicht nur in der Medizin der Verlust der Ganzheitlichkeit beklagt wird, hat sich ‚Äď von der √Ėffentlichkeit bisher fast unbemerkt ‚Äď in einer immer gr√∂√üeren Anzahl von Arztpraxen ein neuer ganzheitlicher Stil von sprechender, psychosozial und technisch kompetenter Medizin entwickelt. In zunehmender Ausma√ü bem√ľhen sich vor allem j√ľngere √Ąrzte darum, traditionelle Therapieverfahren in ihre technisch hochwertige allgemeinmedizinische Arbeit zu integrieren. Der vorliegende Artikel will Anst√∂√üe daf√ľr vermitteln, wie diese Integration in den Alltag von Kliniken zu √ľbersetzen ist.

Primat der Allgemeinmedizin
√Ąhnlich wie in der Praxis ist auch in der Klinik ein Generalist mit unterst√ľtzenden Spezialisten erfolgreicher und kosteng√ľnstiger als jeder Spezialist alleine. Hochspezialisierte technische Medizin ohne fortlaufende Verbindung mit einem kompetenten Hausarzt, der den Patienten als ganzen Menschen l√§ngerfristig ‚Äď m√∂glichst lebenslang ‚Äď begleiten kann, w√§re reine Reparatur ohne √ľbergreifenden Anspruch des Therapieerfolgs. Der erfahrene Chirurg wei√ü, da√ü eine H√§ufung von Verletzungen uns kleinen Unf√§llen pathognomonisch f√ľr Alkoholismus sein kann. In der allt√§glichen Hektik sowohl der chirurgischen Krankenhausambulanz oder ‚Äď Abteilung geht dieses Wissen zumeist unter... Wenn aber der verletzte Alkoholiker zur Erstversorgung und zur Weiterbehandlung in Form von Wundkontrolle oder F√§denentfernung seinen Hausarzt aufsucht, erh√§lt dieser die Chance, den Patienten auch auf m√∂gliche Hintergr√ľnde der Verletzungen anzusprechen. Das Wissen um die auch finanziellen Vorteile einer solchen ganzheitlichen haus√§rztlichen Versorgung steht hinter dem Modell des eingeschr√§nkten Zugangs zum Facharzt. Theoretisch haben die Krankenkassen schon immer gefordert, da√ü die Versicherten die Spezialisten nur auf dem Weg √ľber die √úberweisungen vom Hausarzt aufsuchen d√ľrfen. Praktisch sind aber die Allgemein√§rzte bis heute nie so selbstbewu√üt und kompetent gewesen, da√ü sie dieses Primat der Allgemeinmedizin gegen√ľber Patienten und Gebiets√§rzten durchsetzen oder auch nur verst√§ndlich machen k√∂nnen. Noch heute holen Hunderte von Patienten in Allgemeinpraxenam Quartalsersten ganze B√ľndel von ‚Äěungezielten‚Äú √úberweisungsscheinen ab, ohne da√ü der Praxisinhaber diese Patienten im Laufe des Quartals zu sehen bekommt.
Bisher gibt es im Klinikbereich ‚Äď der ja in vielfacher Hinsicht Vorbild sein will (und soll??) - keine dem Hausarzt entsprechende Institution, die gezielt eine therapeutische Gesamtplanung √ľbernimmt. Viele Krankenhausabteilungen sind einfach verl√§ngerte Arme von Facharztpraxen ‚Äď die die Haus√§rzte nur als billige, wenig geachtete Rezeptschreiber und Einweiser benutzen. Ein Krankenhaus, das sich als Serviceeinrichtung f√ľr den Hausarzt versteht, w√ľrde versuchen, f√ľr jeden Patienten pers√∂nlich ein Konzept zu entwickeln, das zumindest potentiell alle m√∂glichen und sinnvollen Therapieverfahren integriert. Jeder neu aufzunehmende Patient k√∂nnte in einer Transitstation untersucht werde, um festzustellen, wie viel Spezialdiagnostik oder ‚Äďbehandlung uns wie viel allgemein√§rztliche oder ganzheitlich - naturheilkundliche Behandlung er braucht. So k√∂nnte ein schwer Herzkranker im Pr√§lungen√∂dem der kardiologischen Station zugeordnet werden, erhielte aber √ľber die √ľbliche kardiologische Therapie hinaus eine Akupunkturbehandlung, die ihn vegetativ stabilisiert und seine kardiologischerseits vielleicht als nicht therapiebed√ľrftig eingestufte Arrhythmie behebt. Der multimorbide chronisch √úbergewichtige dagegen w√ľrde zwar ebenfalls kardiologisch untersucht, f√§nde seine Platz aber auf einer naturheilkundlichen Station, wo in Zusammenarbeit mit seinem Hausarzt sein ganzer Lebensstil einschlie√ülich seiner Eheprobleme aufgearbeitet, die chronische Obstipation durch Bauchmassagen behoben und die Durchblutung mit Eigenblut-Ozon-Infusionen verbessert werden k√∂nnte.

Ganzheitlicher Umgang mit den Subdisziplinen
Entscheidend ist, da√ü die Indikation f√ľr Spezialuntersuchungen nicht von dem Spezialisten gestellt wird, der den Patienten mehr oder weniger zuf√§llig als erster in die Finger bekommt, sondern ein hierin besonders erfahrener und geschulter Arzt sichtet alle, auch die weniger relevanten Vorbefunde, spricht mit dem Einweiser und bestimmt dann die Fragestellungen und Therapieziele f√ľr den Klinikaufenthalt. Dadurch wird ein technikgl√§ubiger psychosomatisch Kranker, der sich von der Krankenhauseinweisung noch umfangreichere technische Diagnostik erhofft, nicht noch weiter auf noch unentdeckte organische Diagnosen fixiert, sondern die vielleicht noch sinnvolle restliche Diagnostik wird in ein Programm eingebettet, das den Krankheitsgewinn nicht noch mehr steigert, die K√∂rperwahrnehmung des Kranken exakter und angstfreier macht und den Patienten einen Einblick in seine Pers√∂nlichkeitsgeschichte erlaubt. Viele funktionelle Beschwerden
oder nicht weiter abkl√§rbare Diagnosen wie restless legs, Reizkolon, rezidivierende Zystitiden oder Thromboseneigung erweisen sich bei funktioneller Betrachtung den ganzen K√∂rpers oft als verstehbar und behandelbar; beispielsweise verursacht bei Menschen mit diesen Diagnosen ein gebl√§hter Gaskotbauch mit Dysbiose (mit oder ohne Candidabefall), relativer Malabsorption von Spurenelementen, pseudoallergischen Reaktionen auf einzelne Nahrungsmittel, Bindegewebsschw√§che, konsekutierender Wirbels√§ulenfehlhaltung und Zwerchfellhochstand w√§hrend Stre√üphasen mit gesteigertem S√ľ√üigkeitskonsum und geschw√§chter Abwehrlage massive Symptome. Dennoch kann ein solcher Patient bei vielen durchaus gr√ľndlichen schulmedizinischen internistischen, urologischen, orthop√§dischen oder psychologischen Untersuchungen f√ľr gesund befunden werden, weil sich kein sinnvoller Therapieansatz bietet. Dem Naturheilkundler hingegen dr√§ngen sich in diesem Fall Dutzende von Verfahren auf: Bauch ‚Äď und Bindegewebsmassage, Neuraltherapie am Bauch und am R√ľcken, Symbioselenkung, Fasten oder Mayr-Kur und viele andere. Durch den Blick auf das Gesamtbild des Menschen ergeben sich in manchen F√§llen andere Therapieziele. S√§mtliche in der bisherigen Schulmedizin √ľbliche verfahren k√∂nnen absolut zwanglos in einen solchen Ansatz eingeordnet und bewertet werden. Es macht nat√ľrlich einen Riesenunterschied, ob ein station√§rer Aufenthalt eine gef√§hrdete Pers√∂nlichkeit f√ľr einige Zeit aus einer pathogenen Familienkonstellation entfernt, oder ob bei einem chronisch depressiven Somatisierenden Patienten zum f√ľnften Mal dieselbe Diagnostik durchgef√ľhrt wird und er als weiteren Krankheitsgewinn nebenher 4 Wochen Lohnfortzahlung einkassiert. Die Beurteilung, was davon vorliegt, √ľberschreitet in jedem Fall den Bereich eines Spezialisten ‚Äď auch des Psychotherapeuten. Selbstverst√§ndlich kann der Generalist ohne die Hilfe der Spezialisten nur h√∂chst selten sicher sein, da√ü er alle organisch fassbaren St√∂rungen mit zum Beispiel operativ behebbaren Ausl√∂sern komplett erfasst.

Optimierte Ablauforganisation
Ganzheitliche Arbeitsweise bleibt St√ľckwerk, wenn dem Patienten nicht auch im organisatorischen Ablauf gezeigt wird, da√ü man sich um seine gesamte Pers√∂nlichkeit bem√ľht. Stundenlanges Warten auf eine minutenkurze Visite ist in einer Klinik genauso unangemessen wie in der Praxis des Niedergelassenen. Zudem sollte die Arbeitszeit der √Ąrzte begrenzt sein; sie ist sicher zu kostbar, um √Ąrzte in Gruppen von Bett zu Bett wandern zu lassen. Insbesondere, wenn der Patient t√§glich behandelt oder untersucht wird, soll er in einer f√ľr die √Ąrzte zentral gelegenen Behandlungseinheit verbindliche Termine zugeteilt bekommen. Wir empfehlen mehrere Behandlungskabinen, die einem Sprechzimmer direkt benachbart sind. W√§hrend nicht√§rztliche Mitarbeiter die Behandlung in der einen Kabine vorbereiten, behandelt der Arzt in der Nachbarkabine oder im Sprechzimmer. Gut organisierte naturheilkundliche Praxen erreichen mit einem solchen Ablaufschema Wartenzeiten unter 10 Minuten bei einem Zeitbedarf von 8 ‚Äď10 Minuten pro Patient. Patienten aus schulmedizinisch gef√ľhrten Stationen werden genauso wie die der naturheilkundlichen Stationen zu festen Terminen f√ľr Akupunktur- oder Neuraltherapiesitzungen eingeteilt. In zeitlicher und r√§umlicher Einheit k√∂nnen Blutabnahmen, EKG oder Lungenfunktionspr√ľfungen durch nicht√§rztliche Mitarbeiter durchgef√ľhrt werden. Bei gen√ľgend vielen Behandlungskabinen (mindesten 5) k√∂nnen auch zwei √Ąrzte parallel arbeiten. Als weiterer Vorteil gegen√ľber dem konventionellen Betrieb ergibt sich, da√ü die √Ąrzte an ihrem Arbeitsplatz zu erreichen sind und bei Telefonaten oder dringlichen F√§llen nicht das gro√ü Suchen durch die ganze Station anf√§ngt. Die √Ąrzte sollen die Patienten f√ľr Untersuchungen oder Gespr√§che keinesfalls suchen oder aufsuchen, sondern der Patient bekommt einen Termin in der Behandlungseinheit. Diese Behandlungseinheit k√∂nnte n√∂tigenfalls auch f√ľr ambulante Patienten zug√§nglich gemacht werden. Daf√ľr m√ľsste sie allerdings genauso hochwertig und durchorganisiert arbeiten wie eine Praxis. Genauso k√∂nnten dann Praxis√§rzte hier zu festen planbaren Zeiten mitarbeiten.

Krankenhaus "Security"
Hieraus ergibt sich schon, da√ü der Zugang zu einem Krankenhaus und zur Behandlungseinheit nicht mehr f√ľr jedermann frei sein darf. Als Ideall√∂sung, die auch die Sicherheit der Patienten in ihren Zimmern besser garantiert als in bisherigen Krankenh√§usern, schwebt mir eine Tag und Nacht besetzte Anmeldeeinheit √§hnlich der Rezeption einer Arztpraxis vor, an der eine Eingangskontrolle stattfindet. Hier k√∂nnten Mitarbeiter-, Besucher- oder Patientenausweise vergeben, kontrolliert und wieder eingezogen werde. Dies w√§re freilich ein hochqualifizierter Arbeitsplatz mit hotel√§hnlichem Rezeptionsservice, der zugleich eine Wachfunktion hat.

Dieser Artikel liegt auch in einer englischen Version vor.












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