Praxismanagement
09.12.2018

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Wie wir endlich mit den naturheilkundlichen Pfuschern Schluß machen (Artikel von Dr. Machens im Deutschen Ärzteblatt)

In einer Zeit knapper werdenden staatlichen Geldes ist die Verführung groß, sein eigenes Einkommen durch angepasstes Wohlverhalten und Anbiederung an die staatliche Macht zu steigern. Damit wird eine eigentlich innerärztliche Auseinandersetzung über Therapieverfahren zum Spielball von Medien und Politikern.

Anbiederung an staatliche Macht ist gefährlich für die Qualität der Medizin und die eigene Identität jedes einzelnen Arztes. Wer wie ich eine gründliche schulmedizinische Ausbildung genossen hat, tut sich manchmal schon sehr schwer, wenn Ärzte in Schnellkursen irgendeine Qualifikation erlangt haben, mit der sie den Leuten viel Geld aus der Tasche ziehen und Sätze loslassen wie
· zur gynäkologischen Vorsorge brauchen Sie nie mehr zu gehen,
· Impfungen sind völlig überflüssig,
· mit dieser Therapie werden Sie nie wieder krank,
· Antibiotika sind völlig überflüssig,
· die Schulmediziner sind alle von der Pharmaindustrie gekauft.

Ich kann nachvollziehen, wie einige sehr rechtschaffene und durch so etwas gründlich verärgerte Kollegen keine andere Möglichkeit mehr sehen, als ihren Frust über diesen Typ Ärzte, die auch noch Patienten finden, an die Öffentlichkeit zu bringen. Dann entstehen Äußerungen wie
· das muß verboten werden,
· diese „Therapeuten“ machen sich strafbar,
· unverständlich, dass die Kassen solche Scharlatane auch noch unterstützen!

Die Reaktion der Medien und der Politik ist sofortige, ungeprüfte und begeisterte Zustimmung –aber nur anfangs.
Für Politiker entsteht ein ganz ähnlicher Effekt, wenn Kollegen, die mit ihrem Einkommen zufrieden sind, ihren Ärger über das vermeintliche, erstrebte oder tatsächliche Einkommen anderer Ärzte öffentlich kundtun. Der Effekt: alle Ärzte werden unglaubwürdig! Denken wir immer daran: Politiker, Juristen – auch Bundesrichter - und Kassenleute sind immer auch Patienten. Und Patienten reagieren mit Angst und Aggression, wenn sie befürchten oder entdecken, dass ihre höchstpersönlichen Nöte ein austauschbares Objekt wirtschaftlichen Handelns sind
oder sein können. Dieses Grundproblem des Heilers der vergangenen Jahrtausende, der heute nicht nur Personal, Bankverbindlichkeiten und Haftungsprobleme, sondern auch Konkurrenz hat, ist innerärztlich noch nicht aufgearbeitet und verstanden.
Ärzte, die wie ich inzwischen zu 95% naturheilkundlich arbeiten, sehen Probleme der herrschenden Therapierichtungen, die dort nicht wahrgenommen werden, und wundern sich immer wieder über die Härte mit der Angriffe von Seiten der Schulmedizin. Dabei treten viele dieser Naturheilärzte mit genau dieser Härte gegen die Mainstream-Medizin an. Als ich in der Naturheilkunde noch ziemlich grün war, habe ich das auch gemacht. Aus der Verteidigung der eigenen Tätigkeit und Existenz wird sehr schnell der Gegenangriff auf die nebenwirkungsträchtige zu „harte“ Schulmedizin mit der Behauptung, Naturheilmittel wirken besser! Dann sind wir sehr schnell an der gleichen Stelle wie oben: Politik und Kostenträger stimmen auch diesen Kritikern begeistert zu! Und dann ziehen sie ihren Gewinn aus dieser Spaltung und diesem Image- und Glaubwürdigkeitsverlust der Ärzte. Übersehen wird dabei gerade von den Ganzheitsmedizinern das Grundprinzip der systemisch denkenden Regulationsmedizin, dass die Qualität des eigenen Vorgehens die Reaktionsweise des betroffenen Systems mitbestimmt.
Wer wundert sich noch über den Machtverlust der ärztlichen Körperschaften, die Diskussionen in den Praxen, die Haftungsprozesse, die politischen Einmischungen allerorten?? Gehen wir wieder freundlicher, liebevoller mit uns und unseren Berufskollegen um. Gönnen wir jedem von ihnen sein Einkommen oder seine Freizeit, egal wie viel oder wie wenig, Hauptsache selbstbestimmt. Nur der freundlich-kritische Blick nach innen gibt uns wieder Ausstrahlungskraft nach außen.





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