Praxismanagement
09.12.2018

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Compliance stärken: Therapiemotivation fordern und fördern

von Ute Jürgens

Compliance – die hier als Therapietreue definiert wird - wird in zahlreichen Untersuchungen und Veröffentlichungen diskutiert. Wie können wir gezielt die Motivation fördern? Was gehört außer der fachlichen Information dazu?


Als Erstes stellt sich die Frage, ob er etwas über seine Medikamente wissen möchte. Manche Patienten haben keine Zeit und kein Interesse. Andere sind neugierig, man erfährt, was sie sonst noch einnehmen und kann Einfluss nehmen bei Unverträglichkeiten.

Wer ist wofür verantwortlich?
Nehmen wir die Grenzen unserer Verantwortung für den Patienten richtig wahr? Einerseits gibt es den Beratungsauftrag, andererseits sind wir nicht alleine für die Motivation des Patienten zuständig, er hat selbst die Hauptverantwortung und kann entscheiden, ob und was er nimmt. Wir bürden wir uns eventuell zuviel auf und geraten so unnötig unter Druck oder geben diesen an den Patienten weiter.
Bewußtes Zuhören hilft sowohl in obiger Frage als auch, um die Bereitschaft, das Handeln und das Wissen des Patienten zu erforschen. Nimmt er die Medikamente richtig ein in der Menge und auf die richtige Weise? Welcher Patient weiß schon, was Manteltabletten sind, oder wieso auf einigen Packungen magensaftresistent steht und was diese Dinge nach sich ziehen. Sie Am besten fragen Sie offen: “Wie nehmen Sie die Tabletten ein?“ Wenn der Patient daraufhin zögert, anstatt genau zu antworten, bietet sich schon ein erster Hinweis. Wenn er antwortet, können Sie beim aktiven Zuhören nicht nur das vorhandene Wissen entnehmen, sondern erfahren auch von seiner Bereitschaft, den Empfehlungen zu folgen. Vielleicht wird jetzt offenbar, daß der Patient Einnahmeschwierigkeiten hat, die Sie mit Ihm besprechen können.

Was gehört dazu?
An die Sprechweise des Gegenübers angepasstes Formulieren z.B. laut und langsam, erhöht seine Aufnahmefähigkeit. Bei einigen Arzneimitteln ist es wichtig, die Einnahme überhaupt zu begründen. Bei Beschwerdefreiheit ist es oft uneinsichtig, warum man etwas grundsätzlich und regelmäßig tun soll. Was erreicht oder verhindert der Patient damit? Warum ist es so wichtig? Verdeutlichen Sie ihm, daß er jetzt in der Hand hat und ganz alleine entscheidet, wie es ihm in der Zukunft ergehen wird. Es geht um seine Gesundheit, er nimmt die Medikamente nicht für das Wohlwollen des Arztes ein.

Es gibt ausreichend Untersuchungen darüber, dass Patienten mehr oder weniger bewusst mit ihrer Therapiemotivation auf das Verhalten vom Arzt reagieren. Lange Wartezeiten, ein ungeschicktes Abschlagen von Wünschen des Patienten etc. tragen zu mangelnder Compliance bei. Machen Sie dies zum Thema, wenn Sie merken, daß jemand irritiert oder verärgert ist.

Wenn Sie das Interesse an den Arzneimitteln - scheint es Ihnen auch selbstverständlich - als gesundheitsbewußtes Verhalten anerkennen und loben, unterstützt das die Motivation ebenso wie Ihr freundliches, zugewandtes Auftreten und eine verständliche Ausdrucksweise.
Untersuchungen haben gezeigt, daß Verlockungen allgemein mehr Effekt haben als Bedrohungen. Daher ist es überflüssig, die Nachteile des Nichteinhaltens des Medikamentenplanes zu betonen. Besser: Sie malen dem Kranken aus, wie gut es ihm geht, wenn alles klappt und ineinander greift, wie groß sein eigener Einfluss dabei ist. Schwärmt z.B. eine langjährige Patientin vom Spiel mit ihren Enkeln, erzählt dabei, daß sie leider Schwierigkeiten hat, auf dem Boden zu sitzen etc., können Sie ihr ausmalen, wie viel besser es gehen wird, wenn sie die Medikamente nimmt. Jemand anderes beklagt vielleicht seit längerem, daß er bei der Gartenarbeit so kurzatmig ist. Jetzt bekommt er Arzneimittel, die die Herzfunktion unterstützen, den Blutdruck senken etc. Er ist noch misstrauisch, Arzneimittel sind Gift, weiß man ja….Beim Therapiegespräch schildern Sie, wie er beschwerdefrei das Kartoffelbeet umgräbt und neue Pflanzen setzt, die Obstbäume beschneidet etc. Auf diese Weise fällt es leichter, der Medikation zu folgen, als wenn es nur aus Angst geschieht.

Vermeiden Sie den Konjunktiv und abschwächende Begriffe wie „vielleicht, bißchen, eigentlich, mal, irgendwie, aber...“, das wirkt verunsichernd und schwächt Ihre Glaubwürdigkeit.

Vergewissern Sie sich, daß der Patient tatsächlich gesund werden will. Ist er bereit, seine Gewohnheiten umzustellen? Wie ist das das subjektive Erleben Ihres Gegenübers? Wenn momentane Nebenwirkungen und Unannehmlichkeiten stärker sind als die Krankheitssymptome, wird er zu „drug holidays“ oder anderen Arten der „Abwandlung“ des Therapieplanes neigen. Will Ihr Patient gesund werden? Manchmal gibt es nur geringe Beschwerden, die dem Patienten jedoch zu Hause oder bei der Arbeit ein großes Maß an Zuwendung oder anderen Annehmlichkeiten bringen...
Versetzen Sie sich in seine Lage (einschließlich seiner Kenntnis/Unkenntnis): Würden Sie in so einem Fall immer konsequent den Weisungen oder Ratschlägen Ihres Arztes folgen????
Zeigen Sie echtes Interesse durch die Frage „Warum
fällt es Ihnen so schwer, die Medikamente einzunehmen“? Oder „Warum fällt es Ihnen so schwer, zu glauben, dass mit diesen Mitteln eine Besserung eintritt?“ Ist ihm klar, daß er aktiv an seiner Gesundheit arbeiten kann? Will er das? Wann genau wird er damit anfangen?
Manchmal vergessen die Patienten die Einnahme, weil der Plan nicht zu den Gewohnheiten paßt. Manche Menschen gehen ohne Frühstück aus dem Haus und sind in der Arbeitspause vom Essen so abgelenkt, daß die Tabletten in der Tasche bleiben.

Vergessen und Erinnern
Natürlich ist die Compliance auch davon abhängig.
Basisdaten aus der Gedächtnispsychologie:
• Patienten, die sich gut an die ärztlichen Instruktionen erinnern konnten, waren dreimal therapiemotivierter als Patienten mit Erinnerungsfehlern.
• Wer Namen und Applikationsmodus seiner Arznei kennt, vergisst seltener die Einnahme.
• Zwei Erklärungen werden gut erinnert; von vieren wird eine, von acht Erläuterungen die Hälfte vergessen.
• Besonders ältere Patienten vergessen oft die Medikamente oder nehmen sie nicht korrekt ein, mißverstehen manchmal die Verordnungen.

Arten von Gedächtnishilfen
Technische Mittel stehen heute an erster Stelle. Der Patient kann sich für den Einnahmezeitpunkt einen zweiten Wecker einstellen. Eine Zeitschaltuhr, die mit dem Lichtschalter verbunden ist, macht Schwerhörige oder schreckhafte Zeitgenossen aufmerksam. Manche Firmen bieten schon spezielle Geräte an, z.B. Astra Zeneca den Lebensmonitor.
So genannte Rituale nach dem Muster "immer wenn, ... dann ...“ helfen ebenfalls. Der Blister für die Nüchterneinnahme wird im Zahnputzglas aufbewahrt, beim Mittagsmenü gibt es ab sofort einen „Gang“ mehr, der entsprechend zelebriert wird und wenn man mit dem Hund Gassi geht, gewöhnt man sich an die Einnahme eines anderen Mittels, bevor man sich die Leine greift.
Aufkleber an bestimmten Stellen in der Wohnung, Extraanhänger am Schlüsselbund oder Stofftiere, die einen von exponierten Stellen aus fixieren, sind weitere Hilfsmittel. Der Nachteil besteht darin, dass man irgendwann so darauf eingeguckt ist, daß die Gewöhnung keinen Reiz mehr auslöst. Dann steht ein Wechsel an.

Ausflug in andere Welten: Ein religiöses Symbol besitzt als Hauptmerkmal „eine ihm innewohnende Kraft“. Symbole werden lebendig, indem sie im Unbewussten unseres eigenen Seins Wurzel fassen und somit „unsere Seele für Dimensionen öffnen, die den Dimensionen und Strukturen der Wirklichkeit entsprechen“ (Tillich in Diplomarbeit „Compliance in Abhängigkeit von patientenzentrierter Kommunikation“ von Ute Jürgens). Das Rezept selbst als „Sinnbild“ für die Heilung gesehen werden. Wird es eingelöst, geht diese Kraft auf das eingetauschte Medikament über, d.h. die Heilungskraft des Arztes begleitet den Kranken und hilft ihm, eigene Kräfte zu mobilisieren. In unserer heutigen Welt sind wir zwar kognitiv weit entfernt von religiösen Heilweisen, unwirksam sind diese aber nicht unbedingt. Ein gutes Beispiel für den Einfluss der Psyche bildet der altbekannte Placebo-Effekt: Wird dem Kranken ein Medikament in einer bestimmten suggestiven Weise vom Arzt verordnet, erzielt es wahrscheinlich eine stärkere Wirkung, als wenn Rezept oder Muster dem Patienten beiläufig „in die Hand gedrückt“ werden. Eine gewisse innere Einstellung, zu der wir als Naturwissenschaftler allerdings nicht unbedingt automatisch Zugang haben, hilft beim gezielten Einsatz positiver Verstärkung bei der Abgabe.
Sie haben also die Wahl, entweder „rein wissenschaftlich“ zu handeln und sich damit eher auf das körperliche Krankheitsgeschehen zu konzentrieren oder zu reduzieren oder, indem man den ganzen Menschen anspricht, auch die seelische oder psychische Komponente mit einzubeziehen.

Motivation zur Motivierung?
Bei unserer täglichen Arbeit werden wir heute dermaßen von verwaltungstechnischen und gesetzlichen Vorschriften verfolgt und mit den entsprechenden Arbeiten blockiert, dass wir unsere Haupttätigkeit aus dem Blick verlieren. Viele Kollegen sind gefrustet, oft hängt das Klima schief. Weitere Faktoren beeinflussen die Bereitschaft zur Patientenmotivierung: Unsere Einstellung dem einzelnen Patienten gegenüber, die Wahrnehmung unserer Einflussmöglichkeit, der Zeitfaktor und frühere Misserfolge. Das Arbeitsleben ist ein stetiges Verarbeiten von Hindernissen und gleichzeitig „ein steter Quell der Freude.“ Quellen haben es an sich, versteckt und klein zu sein. Und unerschöpflich. Um zu Finden, muss man aktiv suchen. Ich hoffe, Sie sind erfolgreich!
Ein Sprichwort aus Tansania sagt: „Der Mensch ist Medizin für den Menschen.“ Besinnen wir uns auf unseren ursprünglichen Berufswunsch, anderen Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, treffen wir mit einem gelungenen Motivationsgespräch genau in dieses Ziel.

Literatur bei der Verfasserin





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